Glaubensjahr 2007/08 Drucken E-Mail

„Suchst du noch oder glaubst du schon?“

So lautete das Motto des Glaubensjahres der Pfarrgemeinde Kastelruth, das am 2. September 2007 mit dem Schutzengelsonntag eröffnet wurde. Örtliche Vereine und Verbände bereiteten bis zur abschließenden Sternwallfahrt am 21. September 2008 verschiedene Initiativen vor, die alle Interessierten zu einer persönlichen Auseinandersetzung mit Glaubensfragen einluden.

Als Vorbereitung auf das Glaubensjahr hielt Prof. Arnold Stiglmair in der Aula der Mittelschule einen beachtenswerten Einführungsvortrag. Anhand des vor- und nachkonziliären Kirchenbildes zeigte Prof. Stiglmair das neue Kirchenverständnis seit dem II. Vatikanischen Konzil (1962-65) auf. Papst Johannes XXIII. forderte die Weltkirche auf „Fenster und Türen zu öffnen“ und sich als „Volk Gottes“ zu begreifen, das auf dem Weg ist. Glauben heißt nach diesem neuen Verständnis von Kirche sich immer wieder neu auf Gott einzulassen und auf ihn zu vertrauen. Religion macht dann Sinn, wenn sie mit Lebensbewältigung zu tun hat. Der glaubende Mensch fühlt sich geliebt und bejaht mit all seinen Stärken und Fehlern. Er weiß, dass es nicht allein auf seine Leistungen ankommt. Ganz so wie es eine alte Bäuerin ausgedrückt hat: „I hon an Hergott g'fundn, der mi mog!“

Wie also ganz konkret in Kastelruth den Glauben leben? Nach Stiglmair muss der Austausch von tragenden Glaubens- und Lebenserfahrungen im Mittelpunkt der Pfarrgemeinde stehen. Ein alttestamentliches Beispiel dafür sind die Psalmen, von denen es genau so viele Lob- wie Klagepsalmen gibt. Im Psalm 13 heißt es: „Wie lange noch, Herr, vergisst du mich ganz? … Wie lange noch muss ich Schmerzen ertragen in meiner Seele, in meinem Herzen Kummer Tag für Tag? …“ Die heilende Kraft des Glaubens liegt darin, die Freude und das Leiden miteinander zu teilen und vor Gott zur Sprache zu bringen. In einem Glaubensjahr stellt sich deshalb die Frage, wo und wie jene Menschen aufgefangen werden können, die in schwierigen Situationen leben. Prof. Stiglmair ermutigte alle Anwesenden weiterhin am Ball zu bleiben, wertvolle Traditionen mit Glauben zu füllen und ehrenamtliche inner- und außerkirchliche Tätigkeiten zu unterstützen und ihnen mehr Wertschätzung entgegen zu bringen. Glaube ist weniger eine Lehre als vielmehr eine Lebenshaltung! Er ist ein ständiges Suchen und Finden im Sinne des nun etwas ergänzten Mottos: „Suchst du noch (hoffentlich) oder glaubst du schon (a bissl)?“